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Das Durchsetzungsprinzip der Hochsensibilität

Hochsensible Menschen spüren, dass tief in ihnen etwas schlummert, das nur darauf wartet zu erwachen. Sie wissen, dass sie über viele Talente verfügen, können diese aber nicht konkret beim Namen nennen. Immer wieder werde ich von meinen Klienten oder Seminarteilnehmern gefragt, was ich vom Thema „Hochsensibiliät“ halte.

Ich denke, allein die Frage danach oder das Interesse daran lässt schon vermuten, dass es sich beim Fragesteller / der Interessentin um einen vermutlich eher sensiblen Menschen handelt oder er/sie einen solchen im unmittelbaren Umfeld hat.

Ich selbst habe bei dem Test für angeborene Hochsensibilität auf der Homepage von www.hochsensiblepersonen.com mit knapp 80% Wahrscheinlichkeit abgeschnitten und weiß von mir, dass ich vieles „erfühle“, das weder sichtbar, hörbar oder anderweitig „erfassbar“ ist. In der Arbeit mit Menschen kommt mir das manchmal wie ein Geschenk vor. Aber als Sensibelchen schreibe ich lieber darüber, als darüber zu sprechen. Und wenn Sie den Test machen, lesen Sie bitte auch das Kleingedruckte darunter.

Heute freue ich mich umsomehr über den Gastbeitrag von Luca Rohleder, Buchautor von Die Berufung für Hochsensible. Der Beitrag mach Mut, ist weise und lässt uns ausnahmsweise einmal nichts tun – außer abwarten! Zumindest, wenn auch Sie zu den Hochsensiblen gehören!

Das Durchsetzungsprinzip der Hochsensibilität

Das Nervensystem von Hochsensiblen Personen (HSP) muss eine gewaltige Menge von Umweltreizen verarbeiten. Hochsensible bekommen aufgrund ihrer ausgeprägten Feinfühligkeit mehr Einflüsse durch Menschen oder Umfeld aufgedrängt als üblich. Oft sind sich HSP darüber nicht bewusst, dass Sie insbesondere die Gefühle und Stimmungen von anderen Personen mit verarbeiten müssen.

HSP stehen deshalb in ihrem Leben vor einem Lernprozess. Sie laufen Gefahr, nur die negativen Einflüsse von Umwelt und Umfeld zu verarbeiten. Vielmehr müssen sie lernen, sich auch auf beide Seiten des menschlichen Daseins zu fokussieren. Vielleicht ist dies die größte Herausforderung, vor der HSP in ihrem Leben stehen. Sie haben die Gratwanderung zu meistern, zwischen den zahlreich einprasselnden Umwelt- und Umfeldinformationen die positiven Aspekte nicht zu übersehen.

Dennoch hat in der Summe das Leben den Hochsensiblen von Anfang an eine große Bürde auferlegt. Sie bekommen die guten wie auch die schlechten Seiten des menschlichen Lebens wie auf dem Präsentierteller serviert. Ob sie wollen oder nicht.

Diese enormen Verarbeitungsprozesse, denen das hochsensible Gehirn ausgesetzt ist, sind auch die Ursache, warum HSP oft wie gelähmt sind, wenn es darum geht, sich zu behaupten. Es scheint ihnen unmöglich, schnell zu schalten, wenn Vorteile oder sonstige Annehmlichkeiten zu verteilen sind. Selbst bei verbalen Angriffen oder plötzlichen Änderungen von Umweltbedingungen zeigen sie selten schnelle Handlungsmuster.

Die im Gehirn eingehenden Informationen, die verarbeitet, geordnet und analysiert werden müssen, sind einfach zu umfangreich. Damit ist es nahezu unmöglich, spontane Handlungsstrategien aus dem Hut zaubern zu können. Kurzum: Wenn es darum geht, schnell zu schalten, werden HSP meist den Kürzeren ziehen. Die richtigen Argumente oder Reaktionen fallen ihnen in der Regel zu spät, manchmal erst nach Stunden ein. Im Prinzip sind das schlechte Voraussetzungen, um sich in einer Zeit der zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung durchsetzen zu können.

Der Wunsch vieler HSP, spontan zu sein, ist infolgedessen ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen. Sie würden sich in einen intellektuellen Wettkampf mit Normalsensiblen begeben, den sie nur schwer gewinnen können. Vielmehr sollten sich HSP auf ihre Hauptstärken besinnen. Ihre Weisheit und ihre Intuition sind Instrumente, die es in sich haben. Insbesondere lebenserfahrene HSP, die ihre Lebensmitte bereits überschritten haben, sind in der Lage, sich allein mit ihrem 6. Sinn durchzusetzen. HSP können infolgedessen von einer etwas anderen Art von Durchsetzungsfähigkeit profitieren.

Hochsensible müssen eigentlich nur geduldig abwarten. Und sie werden feststellen, wie sich die Dinge wie von Geisterhand zu ihren Gunsten entwickeln. Es scheint so, als könnten sie positive Zufälle herbeiführen. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Vielmehr ist es die Intuition von Hochsensiblen, die sie zu den passenden Orten, zu cleveren Einsichten, den besseren Rahmenbedingungen und zu den richtigen Menschen führt.

Im Laufe ihres Lebens bemerken HSP, dass es oft gar nicht notwendig ist, sich im Jetzt durchsetzen zu müssen. Denn sie wissen, dass das Morgen und vor allem das Übermorgen auf ihrer Seite stehen werden. Mit dieser Gewissheit, dass sich viele Gegebenheiten sowieso in ihrem Sinne positiv drehen, können HSP viel Lebensfreude generieren. Mit Gelassenheit und Weisheit können sie darauf vertrauen, dass ihre Durchsetzung zeitversetzt erfolgt.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass HSP lernen, auf ihre Intuition zu hören. Sie müssen nur vertrauensvoll warten, bis der vermeintliche Zufall auf ihrer Seite steht.

Haben HSP dieses Durchsetzungsprinzip erst einmal erkannt, lösen sich viele Sorgen von selbst auf. Im Alltag können Handlungsdruck, Habachtstellungen bzw. übertriebene Vorsicht gegenüber Personen bzw. Umständen losgelassen werden. Sie wissen nun, dass ihr 6. Sinn sie selten im Stich lässt. Diese etwas andere Art, sich zu behaupten, funktioniert zwar etwas zeitversetzt und manchmal auch in Zeitlupe, jedoch besitzt sie eine gewaltige Durchschlagskraft. Wie der Volksmund schon sagt: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“

Luca Rohleder, Buchautor von Die Berufung für Hochsensible

www.hochsensiblepersonen.com

 

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