„Das Gehirn ist eine Baustelle. Und das ist gut so!“

08.05.2017, 17:24 von Regina Potocnik

Das weite Gebiet der Hirnforschung und Neurobiologie regt in den letzten Jahren auch das allgemeine Interesse abseits von Forschungslaboratorien, Spitälern und Wissenschaft. Dank neuer Technologien haben wir Zugriff auf aktuelle Studien und Erkenntnisse nicht nur durch Fachliteratur, sondern auch durch Online-Vorträge, Hörbücher, Filme auf Youtube, Netflix oder Amazon und es gibt zahlreiche Apps zum Thema „Gehirntraining“, „Gehirnjogging“, „Gedächtnistraining“ oder „neuronale Fitness“, die teilweiße mit bunten, spaßigen Bildern, teilweise mit wissenschaftlichen Ansatz und interessanten Argumenten aufwarten.

Warum sind das Gehirn und seine Funktionsweise so interessant geworden? Das menschliche Gedächtnis ist in der multimedialen Kultur, in der wir leben, nicht unbedingt besser geworden. Im Gegenteil, immer mehr Informationen sorgen für einen massiven Abbau klassischer Merkfähigkeiten.

Dazu kommt die Überalterung der Bevölkerung mit zunehmend mehr Demenzerkrankungen; stressbedingten somatischen Erkrankungen, Überlastungen im beruflichen („Manager in der Krise“) sowie auch privatem („Mama-Burnout“) Kontext und gesamt ein jährliches Ansteigen der Erkrankungen nach ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme). Dies verursacht weltweit explodierende Kosten für medizinische Versorgungssysteme wie Staat und Krankenkassen bei zunehmender beruflicher Belastung und gleichzeitig abnehmender Fähigkeit der Menschen in den hochentwickelten Industriestaaten, mit psychischen Belastungen umzugehen.

Somit wollen immer mehr Menschen auch privat für sich Lösungen finden und verstehen, warum wir so sind, wie wir sind und Wege aus der Stressfalle kennen lernen; begreifen, warum wir so und nicht anders reagieren, warum unsere familiären und gesellschaftlichen Beziehungen funktionieren – oder eben nicht. Unterm Strich kann gesagt werden – und das zieht sich über alle Kontinente, durch alle Epochen, durch alle Kulturkreise und sogar Weltreligionen: Wir wollen unser Überleben sichern und suchen nach dem „Glück“. Und wenn wir verstehen, wie unser Gehirn funktioniert, was wir sind und was wir sein könnten, dann kommen wir dem Glück vielleicht ein Stückchen näher.

Für HirnforscherInnen verbirgt sich hinter all diesen unterschiedlichen Bezeichnungen für das, was Menschen antreibt und sie dazu bringt, ihr Leben auf eine bestimmte Weise zu betrachten und zu gestalten, immer das Gleiche: Es sind strukturgewordene Erfahrungen und im Laufe des Lebens erworbene und im Gehirn verankerte Verhaltensmuster zwischen den Nervenzellen. Immer dann, wenn eine solche Verschaltung aktiviert wird, entsteht ein bestimmtes Erregungsmuster, das das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen bestimmt. „Rückgriff auf erfahrungsabhängig herausgeformte handlungsleitende, das Denken bestimmende, Orientierung bietende innere Bilder“ wäre also die beste Bezeichnung für das, was Menschen dazu bringt, genauso zu denken, so zu empfinden oder so zu handeln, wie sie das immer dann tun, wenn diese inneren Muster aktiviert werden.

Aufgrund seiner individuell und im Zusammenleben mit anderen Menschen gemachten und im Hirn in Form bestimmter Nervenzell-Verschaltungen entsprechend verankerten Erfahrungen gelangt jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu bestimmten Annahmen und entwickelt bestimmte Vorstellungen über die Welt und die Möglichkeiten der Mitgestaltung in der Welt. Diese Vorstellungen werden als innere Orientierung, als Selbstwirksamkeitskonzepte und eigene Leitbilder im Gehirn verankert. Sie bieten einem Menschen Halt und Sicherheit, bestimmen Entscheidungen, lenken die Aufmerksamkeit in bestimmte Richtungen und sind daher ganz entscheiden dafür, wie und wofür man sein Gehirn benutzt und deshalb auch strukturiert.

Die konkrete Form dieser inneren Bilder und Orientierungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens für die weitere Lebensgestaltung herausbildet, hängt in hohem Maß von den jeweils vorgefundenen und als besonders „erfolgreich“ bewerteten Vorbildern ab, die man als Heranwachsende(r) innerhalb des eigenen Kulturkreises und der dort herrschenden sozialen (familiären und gesellschaftlichen) Beziehungen vorfindet. Zwangsläufig ergibt sich daraus, dass diese „Denkmuster“, die „Gefühlsstrukturen“ und die im Laufe des Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen – und innerhalb eines Kulturkreises, von Menschen aus unterschiedlichen Familien und Sippen, von Männern und Frauen, von Erstgeborenen und Nachgeborenen – mehr oder weniger stark voneinander abweichen. Da nirgendwo auf der Welt identische Bedingungen vorherrschen, unter denen Menschen identische Erfahrungen machen, ist die in jedem menschlichen Gehirn herausgeformte Bilder- bzw. Vorstellungswelt ein einzigartiges Konstrukt, das sich ständig verändert. (siehe dazu S. Fischer, Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten, 2011, S. 66 ff)

Gerald Hüther schreibt so prägnant:

„Das Gehirn ist eine Baustelle, und zwar nicht nur während unserer Kindheit, sondern lebenslang. Und das ist gut so!“ (Hüther, ebenda, S. 134)

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Das sind die nächsten Termine:

20. – 27.5.2017: Yoga und Mentaltraining in Italien/Sizilien – Hotel Kalura

14. – 18.6.2017: Yoga und Mentaltraining im Nationalpark Kalkalpen – OÖ

13. – 17.9.2017: Yoga und Mentaltraining direkt am Wörthersee – Kärnten

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Mit lieben, mentalen Grüßen,

Regina Potocnik

 

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